Vereinsgeschichte und Chronik

Einer unserer bekanntesten Örtzeangler der Vorkriegszeit in Müden war der Kantor Wilhelm (Willi) Schütze. Von seinen „Fischzügen“ kann die heutige Anglergeneration nur träumen, wie seine Fangstatistik aus dem Jahr 1927 belegt.

Ja, Sie haben richtig gelesen, schon damals wurden Fangstatistiken geführt, obwohl es noch keinen organisierten Verein gab, und die Fischereirechte zum großen Teil anliegereigenes Privatrecht waren. Der einzigen noch existierenden Fangstatistik aus dieser Zeit, nämlich der von Willi Schütze, kann entnommen werden, dass von ihm am 10.12.1927 in der Örtze ein Lachs von 8 Pfund gefischt wurde. Über spätere Lachsfänge in unseren Müdener Fliessgewässern ist kein Nachweis bekannt.

Aber noch im 19. Jahrhundert stiegen alljährlich unzählige Lachse zum laichen in die Quellgebiete von Örtze und Wietze auf. Damals wurden und konnten die einfachen Leute mit reichlich gefangenem Lachs entlohnt werden, so dass dieser Edelfisch fast täglich auf den Tisch gekommen ist. Durch erste Verbauungen und Stellfischerei an Weser und Aller wurde dieser alljährliche Aufstieg Anfang des 20. Jahrhunderts mehr und mehr verhindert, so dass die Lachse nur noch unter großen Mühen und Verlusten in geringer Zahl in die Quellgebiete von Örtze und Wietze gelangen konnten.

Der Beginn einer organisiert geordneten Befischung unserer heimischen Fliessgewässer erfolgte im Jahr 1948, nachdem die damaligen Besatzungsmächte sie wieder freigegeben hatten. Hierzu trafen sich seinerzeit neun Angelinteressierte Müdener in der damaligen Gaststättenbaracke „Wessel“ dem heutigen Lührnhoff mit dem Ziel, die Gewässeranpachtung und die Gründung eines Angelvereins zu beraten.

Dies waren die Gründerväter:

  1. Wilhelm (Willi) Schütze, Kantor i.R.
  2. Heinrich Eggers, Zimmermeister
  3. Friedel Wessel, Gastwirt
  4. Hans-Jürgen Springhorn, Landwirt
  5. Ernst Schaper, Schlachtermeister
  6. Ernst Winterhoff, Kaufmann
  7. Friedrich Stelter, Dachdeckermeister
  8. Walter Dehning, Landwirt
  9. Albert Behrens, Hauptlehrer

Am 20. September 1948 war es dann soweit.

Dank des persönlichen Einsatzes der späteren Vereinsmitglieder „Nante“ Ferdinand Dreyer und Thomas Harding bei den Pachtvorbereitungen konnte von den genannten Gründungsmitgliedern, von denen leider niemand mehr lebt, die Angelsportgemeinschaft Müden/Örtze ins Leben gerufen werden, zu dessen 1. Vorsitzenden Willi Schütze gewählt wurde.

Als Angel- bzw. Fischgewässer wurden angepachtet:

  1. Örtze in den Müdener Gemarkungsgrenzen
  2. Wietze in der Gemarkung Müden-Poitzen
  3. Landwehrbach in der Gemarkung Müden-Poitzen

sowie mehrere kleine Nebenbäche, außer Bümmbach, der zum „Winkelhof“ gehört.

Als Pachtzins wurde zwischen Verpächtern und Pächtern insgesamt 280,00 DM vereinbart. Das „Eintrittsgeld“ (heute genannt: Aufnahmegebühr) für weitere Mitglieder betrug 10,00 DM, der Monats-Mitgliedsbeitrag 1,00 DM.

Die Mitgliederzahl wurde „unverrückbar“, wie es in der Gründungssatzung hieß, auf 10 Mitglieder beschränkt.

Die Angelsportgemeinschaft Müden/Örtze ist von Beginn an Mitglied im Verband Deutscher Sportfischer und seit dem 05.04.1974 eingetragener Verein.

Nach Inkrafttreten des neuen Niedersächsischen Fischereigesetzes am 01.03.1978 vergrößerte sich die Gemeinschaft zwangsläufig auf gut 30 Mitglieder, was die Pachtgewässerstrecke jedoch gut verkraften konnte; denn die wenigsten der Mitglieder waren sogenannte „Kochtopfangler“, die überwiegende Mehrheit wollte nur dazu gehören.

Der „Gründonnerstag“ eines jeden Jahres ist in der Gemeinschaft ein traditioneller Tag. In den früheren Jahren trafen sich die Mitglieder an diesem Tag zum sogenannten „Hechtschnaken“, welches bei gutem Essen, Bier, Korn und Klönschnack im damaligen Vereinslokal „Gasthaus zum Örtzetal“ bei „Wessel“, später: „Lührnhoff“ seinen Ausklang fand.

Auch prominente Angelfreunde, wie z.B. der frühere Lübecker OB Wallmann, der damalige 1. Vorsitzende des Deutschen Fischereibundes Hans Lunau aus Hamburg und sogar Alfred Kubel, einst Ministerpräsident von Niedersachsen, suchten beim Angeln an unserem herrlichen, naturbelassenen Gewässern Erholung, Entspannung und wussten dies auch zu schätzen.

Im Laufe der Jahre entwickelte sich bei den Anglern, wie überall in der Gesellschaft, ein Umdenkprozess.

Nicht mehr das Angeln allein steht heute im Mittelpunkt, sondern die Hege und Pflege der Gewässerstrecken und Nebenbäche, kurz gesagt der Natur- und Umweltschutz. Besonders der Erhalt und die Stabilität der Artenvielfalt an und in unseren Gewässern durch Einrichtung neuer oder Öffnung früher einmal vorhandener Laich- und Stillgewässer sowie die Aufzucht und der Besatz gefährdeter Fischarten wie z.B. der „Lachs“ waren das Bestreben des Vereins.

In diesem Sinn hat sich u.a. auch die „Gründonnerstags-Tradition“ verändert. An diesem Tag treffen sich die Mitglieder seit vielen Jahren nicht mehr zum „Hechtschnaken“, sondern zur alljährlichen Beseitigung des in und an unseren Gewässern angefallenen „Wohlstandsmülls“. Der Ausklang, an dem sich hingegen zu früher nicht viel geändert hat, findet jetzt alljährlich, genauso wie die Jahreshauptversammlung im Gasthof Schröder in Poitzen statt.

Am 01.01.1992 wurden unsere Fliessgewässer innerhalb der Gemarkung Müden von der Fischereigenossenschaft Örtze neu verpachtet. Leider erhielt unsere Angelsportgemeinschaft, die über 40 Jahre lang unsere Flüsse und Bäche betreut, gehegt und gepflegt hatte, nur noch die Örtze zugesprochen. Der Pachtzins erhöhte sich seinerzeit auf 3.100,00 DM.

Im Jahre 1994 gründete die Angelsportgemeinschaft nach langer „Planungsphase“ eine Jugendgruppe und konnte auch erstmals während der Jahreshauptversammlung von 1995 die ersten Fördernden Mitglieder in der Gemeinschaft begrüßen.

Durch diese Entwicklung erhoffte sich die Gemeinschaft neue Ideen und Initiativen sowie gesellige Zusammenkünfte und selbstverständlich finanzielle Unterstützung, damit die Gemeinschaft weiterhin ihren Platz im Müdener Dorfleben beibehält.

Im Jahre 2005 ist die Angelsportgemeinschaft unter dem Impuls des damaligen Vorstandes unter dem Vorsitz von Olaf Meyer der Aller-Oker-Lachs Gemeinschaft, kurz AOLG beigetreten.

Am 31.März 2005 konnte die ASG (Kurzform der Angelsportgemeinschaft) mit Unterstützung der AOLG mit einer gut besuchten Veranstaltung durch Politik, Presse und dem NDR wieder Junglachse unterhalb der Örtzebrücke in die Örtze freilassen. Die erste Lachsbesatzmaßnahme mit so genannten Parrs und Smolts (1-2 jährige Junglachse) nach den wirklich intensiven Wiederein-bürgerungsbestrebungen durch den damaligen 1. Vorsitzenden Jürgen Behrens in der Zeit von 1982 bis 1988 mit selbst ausgebrüteten Brutfischen war für die Örtze und alle Beteiligten ein wichtiger und richtiger Weg in die Zukunft.

Ein Fernsehteam des NDR hat diese Aktion im Rahmen der Sendung „Hallo Niedersachsen“ dokumentiert.

Den Impuls den die ASG 2005 für die Örtze gegeben hat, zieht sich durch alle flussabwärts aktiven Angelvereine bis hin zur Allermündung. In den Folgejahren 2006 und 2007 sind alle Angelvereine der Örtze und die Fischereigenossenschaft unter dem Vorsitz von Hans-Jürgen von Harling der AOLG beigetreten, um sich dem Ziel der Wiedereinbürgerung des Lachses mit Unterstützung der AOLG anzuschließen.

Der Lachs

Ein Fisch kommt zurück. Wir machen es gemeinsam möglich!

In den folgenden Jahren fanden weitere Lachsbesatzmaßnahmen und Meerforellenbesatzmaßnahmen in Müden an der Müdener Mühle statt.

  1. 22.04.2006 - 2. Lachsbesatzmaßnahme
  2. 28.04.2007 - 3. Lachsbesatzmaßnahme
  3. 26.04.2008 - 4. Lachsbesatzmaßnahme und 1. Meerforellenbesatzmaßnahme

Die Tabelle zeigt die derzeitigen Bestrebungen der ASG, AOLG und sämtlicher Vereine an der Örtze.

Lachs2005Parrs/Smolts   500LaganÖrtzeWeser  Niedersachsen
2Lachs2006   Smolts2.800LaganÖrtze   WeserNiedersachsen
3Lachs2007Parrs6.000Skjernau   ÖrtzeWeserNiedersachsen
4Lachs2008Parrs5.000SkjernauÖrtzeWeserNiedersachsen
5Meerforelle2008Brütlinge5.000WümmeÖrtzeWeserNiedersachsen

 

Wie in anderen Flüssen in Niedersachsen wie z.B. der Ems, Hunte, Leine, Aller, Oker und Schunter, soll der Lachs auch in der Örtze wieder eingebürgert und heimisch werden. Voraussetzung hierfür ist, dass die Flüsse von der Mündung bis an ihre Quellgebiete wieder durchlässig gemacht werden.

An diesem Ziel arbeiten wir, und die in der AOLG zusammen geschlossenen Vereine, gemeinsam. Die AOLG repräsentiert zur Zeit rund 12.500 Mitglieder.

Derzeit gibt es in der Örtze noch einen Querverbau, der die Wanderfische am problemlosen Aufstieg in die Laichgebiete hindert. Die Wolthäuser Mühle in Wolthausen.
Im Jahr 2006 stellte Timo Lange das von ihm für die ASG entworfene Vereinslogo vor, dass dankend von der Gemeinschaft angenommen worden ist. Aufnäher und Aufkleber wurden besorgt.   
Am 02.12.2007 wurden während einer Kontrollbefischung der AOLG unterhalb der Wolthäuser Mühle große Salmoniden gesehen und auch gefangen. Es stellte sich heraus, dass die 3 gefangenen Fische ca. 60cm große Meerforellen waren. Das zeigt, dass die Wanderfische wieder in die Örtze zurückkehren.  

Am 06.03.2008 wurde die IGÖ gegründet. Die ASG ist Mitglied in der IGÖ – „Interessengemeinschaft Gewässerschutz Örtzetal e.V.“ wie auch alle Örtzevereine, die Fischereigenossenschaft, die Bürgerinitiative Südheide e.V. und der Wolthäuser Mühlenbesitzer Herr von Limburg beigetreten bzw. diese gründeten diese wichtige Gemeinschaft zum Erhalt der Örtze.

Der 1. Vorsitzende ist Hans-Jürgen von Harling der auch parallel der 1. Vorsitzende der Fischereigenossenschaft ist.

Im Oktober 2008 geht die ASG mit einer eigenen Hompage online, und folgt somit dem Ziel eines modernen und zukunftsorientierten Vereins.

Am 21.11.2008 wurden während einer weiteren Kontrollbefischung der AOLG unterhalb der Wolthäuser Mühle wieder große Salmoniden gesehen und auch gefangen. Ein 68 cm großer Milchner und 4 ca. 60 cm großer Rogner wurden gefangen. Weitere Salmoniden wurden gesichtet. Das zeigt, wir sind auf dem richtigen Weg. 

Im Jahr 2008 haben wir zweimal eine Besatzmaßnahme durchgeführt.

Es wurden zusätzlich 10 000 Parrs von dem uns beliefernden dänischen Fischmeister G.Hooldensgard gesponsert.